Text Presse- dpa  08.05.11

Chronischer Botulismus jetzt auch bei Hunden und Katzen?

Seit ca. zwei Jahren diagnostiziert eine Tierärztin aus Kolbermoor (Bayern) ein neues Krankheitsgeschehen bei Hunden und Katzen in Europa.

Ohne Behandlung endet diese Erkrankung fast immer tödlich. Folgende Symptome sind charakteristisch für den Krankheitsverlauf:

Vor Erkrankungsbeginn erscheinen viele Patienten zu dick und zeigen Wassereinlagerungen. Es folgt Erbrechen unverdauter Nahrung und wässriger, zum Teil blutiger Durchfall.

Die Tiere werden apathisch, nehmen kaum Futter auf, später folgt Verstopfung. Sehr schnell kommt es zur Gewichtsabnahme und starkem Muskelschwund.

Bei Katzen ist ein starkes Kopfschütteln auffällig, ohne dass eine Ohrenentzündung festgestellt werden kann. Bereits im Frühstadium treten  starke Augenschleimhautentzündungen mit blutigem und wässrigem Tränenausfluss beim Hund und blutiger Krustenbildung bei der Katze auf.

Die Augenschleimhäute erscheinen trocken und tiefmelonenrot.   Akutes Nierenversagen mit zum Teil unkontrolliertem Harnabsatz, oft im Schlaf, hochgradige Gelenksschmerzen, Bewegungsstörungen, Apathie, gekrümmter Rücken (Katzen), starkes Hecheln (Hunde) bis hin zum plötzlichen Tod der Tiere sind die Folge. 

Bei Katzen können Ekzeme am ganzen Körper, bei Hunden Abszesse oder Nekrosen im Zehenbereich, an Schleimhäuten, Haut, Ohrspeicheldrüsen und Augenlidern festgestellt werden. Zentralnervöse Störungen bei der Katze, ähnlich dem Key-Gaskell-Syndrom, bei Hunden Stolpern, Vor- und Nachhandschwäche, Orientierungslosigkeit, Überkreuzen der Beine werden sehr oft beobachtet.

Einige Tiere, besonders Hunde  sind auch verhaltensauffällig. Sie zeigen in den Spätstadien der Erkrankung Aggressivität gegenüber ihren Besitzern, Katzen entwickeln  diese Aggressivität gegenüber Artgenossen, mit denen sie bereits länger ohne Probleme zusammen gelebt haben.

Trotz antibiotischer Behandlung fallen bes. bei Katzen  Rezidive in Abständen von 3-4 Wochen auf.  Ohne Behandlung ist die Erkrankung fast immer tödlich.  Kurz bevor die Tiere sterben zeigen sich Atem- und Schluckbeschwerden. Es besteht der Verdacht der Kaumuskel- und Kehlkopflähmung. Bei Hunden sieht man vermehrte, zähe  Speichelbildung.Oft tritt der Tod durch Ersticken ein. 

Von Februar bis April 2011 konnten im Institut für Bakteriologie und Mykologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig unter Leitung von Frau Prof. Krüger bei einer Vielzahl der erkrankten Tiere verschiedene Typen von Clostridium botulinum (Botulismus) und deren Neurotoxine nachgewiesen werden.

Die Mehrzahl der untersuchten Kotproben weisen auf eine starke Störung der Magen-Darm-Flora hin. Auffallend sind auch bei allen Tieren eine zusätzliche hohe Keimbelastung mit verschiedensten Arten von Clostridien und deren Toxine.

„Die stark veränderten Schleimhautschichten des Verdauungstraktes und die Anfangssymptomatiken lassen den Schluss zu, dass es sich hier primär um eine Vergiftung mit einem chemischen Stoff handelt.

Dadurch können Clostridien, die als gefährliche Krankheitserreger gelten, bei gesunden Hunden und Katzen jedoch kaum Schäden anrichten,   hier starke Infektionen auslösen.

Die Symptome der erkrankten Hunde und Katzen entsprechen denen des Chronischen Botulismus bei Kühen.“ Jedoch ist sich Frau Dr. Heigl sicher, dass es sich hier nicht um eine Faktorenkrankheit oder einen Chronischen Botulismus handelt, sonder um eine Kombination aus schwerer Vergiftung mit darauf folgendem chronischen Infektionsgeschehen mit Clostridium botulinum und anderen Clostridien.

„Inzwischen haben wir Beweise, dass die Botulismusinfektion von Tier zu Tier und sogar auf den Menschen übertragen werden kann.

Den Auslöser der Vergiftung konnten wir inzwischen nachweisen, warten jedoch noch auf die Sicherung der Gegenproben.“